Musik

Musik

„Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön…“

Liebe Leserin, lieber Leser,

Mit diesem Vers aus dem bekannten Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius grüße ich Sie herzlich. Dieses Lied hat den Kirchenchor und mich die letzten Wochen begleitet.
Die Evangelische Kirche Deutschlands hat eingeladen, es als Zeichen der christlichen Verbundenheit abends um 19.00 Uhr auf dem Balkon, oder wo auch immer zu singen oder zu spielen.
Daraus geworden sind kleine Singgrüppchen im Freien (mit Abstand versteht sich) und das Repertoire haben wir um viele andere schöne Lieder erweitert.

Dass man den Mond nur halb sehen kann, er aber trotzdem rund und schön existiert, das versteht jedes Kind und finde ich als Bild wunderbar.
Übertragen auf das ganze Leben: Man kann davon nur Teile sehen und darf hoffen, dass sich alles zu einem Ganzen wieder zusammenfügt.

So hätte ich vor einem Jahr nicht gedacht, dass wir aus Mühlacker weggehen. Nach fast 25 Berufsjahren wagen mein Mann und ich einen Neuanfang in Lindau am Bodensee. Er ist schon seit Mai dort als Regionalkantor bei der Ev. Kirche dort tätig und unsere Kinder und ich sind im Sommer nachgezogen. Ich werde dort zunächst freiberuflich als Organistin und Musikpädagogin arbeiten.

25 Jahre als Kirchenmusikerin, sind schwer auf Papier zu fassen, es gibt Glanzlichter: die Konzerte, Musicals, Singspiele und vieles mehr. Ohne den Alltag mit wöchentlichen Proben, die von allen viel Disziplin und trockene Arbeit erforderten, wären sie aber nicht möglich gewesen.
Meilenstein in diesen Jahren war im Jahr 2006 der Neubau der Orgel in der Pauluskirche. Ohne die Unterstützung vieler Privatpersonen, Firmen, der Stadt Mühlacker und unseres Orgelfördervereines wäre auch sie nicht zu realisieren gewesen.
Konzerte, größere Anschaffungen wie das Chorpodest im letzten Jahr: ohne den Förderverein Kirchenmusik wäre es in Zeiten kirchlich knapper Kassen schwierig.
Konzerte, Orgeldienste, musikalische Gottesdienste planen: Ohne ein gutes Miteinander in der Dienstgemeinschaft zwischen PfarrerInnen, Dekan, MesnerIn, und KollegInnen ist das auch nicht möglich.
Und ein letztes „ohne“: Ohne Sie als ZuhörerInnen und Unterstützerinnen wäre die musikalische Arbeit in der Gemeinde ärmer.

Es ist und war überwältigend, und bewegend, wie viele Dinge ins Singen und Klingen gekommen sind, der Abschied fällt mir deshalb nicht leicht.

Ich bedanke mich für alle Unterstützung in den letzten 25 Jahren und freue mich, dass mit Herrn Markus Piringer ein kompetenter Nachfolger gefunden wurde.

Bleiben Sie behütet, Ihre

Christiane Sauter-Pflomm


Video 1

J.S. Bach "Wer nur den lieben Gott lässt walten" BWV 647 ist einer von 6 Chorälen, die Bach beim Verleger Johann Georg Schübler, Zella, in Druck gegeben hat.: Sie werden deshalb oft als "Schüblerchoräle" bezeichnet.
Allen gemeinsam ist, dass Bach Sätze aus Kantaten auf die Orgel übertragen hat. In unsrem Fall "singen" rechte und linke Hand das Sopran/Altduett "Er kennt die rechten Freudenstunden" aus der Bachkantate "Wer nur den lieben Gott lässt walten". Der Choral selbst wird im Pedal gespielt.

Wer nur den lieben Gott läßt walten
und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott dem Allerhöchsten traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.
(Georg Neumark, 1659)

 

Ganz besonders viel Freude hat mir die Aufnahme hier nebenstehend gemacht: drei Sätze der Sonate B-Dur von Pietro Baldassari für Trompete und Orgel, aufgenommen mit Christian Geltner, Trompete.